UNGESTÖRT ARBEITEN IM HOMEOFFICE

Liebe Leserin,

ich sitze gerade an meinem Schreibtisch, habe bereits meine Emails gecheckt und die Website aktualisiert. Jetzt gönne ich mir einen kurzen, erholsamen Blick aus dem Fenster, raus ins Grüne. Und ich muss an das gestrige Telefonat mit meinem Bruder denken.

Wir tauschen uns aus, wie es uns so geht. Und was die Arbeit so macht. Hauptthema natürlich: Wie läuft das Homeoffice. Schnell sind wir uns einig, dass man im Homeoffice häufig sogar mehr schafft, weil man konzentrierter arbeitet, als im Büro. Dann aber sagt mein Bruder: „Aber sicher nicht, wenn Kinder im Haus sind. Das geht doch gar nicht…“

Oh doch, das geht….

Ich habe den Impuls ihm vehement zu widersprechen. Aber ich verstehe genau was er meint. Auch wenn ich ihm am liebsten sagen würde: Hey, bei uns klappt das echt gut. Egal ob mein Mann arbeitet, oder ich. Wir können echt ungestört arbeiten. Aber ich verstehe meinen Bruder, und weiß genau, dass es im Moment vielen Eltern, vor allem aber Mamas so geht. Ich weiß, dass viele Mamas trotz Arbeitszimmer nicht richtig ungestört arbeiten können, selbst wenn der Partner auf die Kinder aufpasst.

Ich blicke noch immer ins Grüne und denke zurück, an den Beginn meiner Homeoffice Arbeit vor einigen Jahren. Am Anfang war es immer wieder das gleiche: Kaum hatte ich mich an die Arbeit gemacht, kamen die immer gleichen Unterbrechungen:

„Mamaaaa, was gibt’s zu essen.“ – „Weiß nicht, frag Papa.“ -„Papa fragt, was er einkaufen soll.“-„Egal, sucht euch was aus.“ – „Papa, weiß nicht was alles fehlt“. Ich gebe auf und schreibe die Einkaufsliste.

5 Minuten später: „Mamaaaa, wo sollen wir einkaufen?“ -„Egal, sucht euch was aus.“ 5 Minuten Arbeitszeit. Dann: „Mamaaaa, wo ist mein Schal?“ – „Im Korb.“ – „Nein, da ist er nicht.“ – „Doch, er muss da sein.“ – „Neeeeein.“ – „Dann frag Papa“ – „Der sagt, ich soll dich fragen. Dann muss ich eben frieren.“

Ich gebe auf und suche den Schal. Dann binde ich die Schuhe, suche Hausschlüssel, Einkaufstasche, Trinkflasche …. Mist, wieder 20 verloreeeeeeen 🙁

So ging das immer wieder. Und immer wieder war ich sauer. Und immer wieder dachte ich: Das müssen die doch sehen, dass ich arbeite! Mein Versuch also: Klarer kommunizieren. Ich bin ja schließlich Kommunikationstrainerin ,-)

Also nächster Homeoffice-Tag. Ich ganz stolz: Mama geht jetzt ins Büro und muss sich konzentrieren. 5 Minuten später: „Mamaaaaa, was gibt’s zu essen?“… Mist, hat also auch nicht funktioniert 😉

Ich schaue immer noch ins Grüne und muss schmunzeln. Klar, heute wo es klappt kann ich schmunzeln, damals nicht. Ich war echt genervt. Ich hatte eh wenig Zeit für meine Arbeit und dann werde ich auch noch dauernd gestört. Heute, ein paar Homeoffice-Jahre später, ist das zum Glück anders.

Ich blicke immer noch ins Grüne und überlege, was sich seitdem geändert hat. Und woran es liegt, dass ich heute, sogar mit zwei Kindern entspannter zu Hause arbeiten kann. Ich schnappe mir einen Stift und notiere:

 

UNGESTÖRT IM HOMEOFFICE – SO KLAPPT’S

1. Klare Kommunikation

Ja, klingt gut, oder? Aber was heißt das eigentlich?

  • Als erstes habe ich mir angewohnt ganz klar zu formulieren: ICH ARBEITE. ICH ARBEITE. Wenn ich nur sage, ich gehe an den Schreibtisch heißt das für den Rest der Familie nicht, dass ich nicht greifbar bin.
  • „Und ich will nicht gestört werden“. Zugegeben, für diese Formulierung habe ich lange geübt. Anfangs fiel es mir nicht leicht. Es klingt irgendwie so herrisch, so nach Chef. Aber ganz ehrlich: Die Alternative war Streit und sauer-sein. Und es ist nun mal einfacher, klar zu formulieren was man braucht, als zu erwarten, dass die Familienmitglieder das schon sehen.
  • Ich formuliere nun ganz klar, was ich brauche und übersetze es für meine Kinder in Wörter, die sie verstehen. Ich hatte lange versucht Ruhe zu gewinnen, mit der Formulierung: Mama muss sich konzentrieren. Bis ich erkannt habe: Kinder wissen nicht, was „konzentrieren“ bedeutet. Und selbst wenn sie ahnen, dass es was mit der Arbeit zu tun hat, fehlt einfach der Transfer zu “ Ich darf nicht dauernd reinplatzen und Fragen stellen oder Mama rufen.“
2. Klare Regeln aufstellen

Klar, wenn mein Mann da ist, und sich um die Kinder kümmert, ist es einfacher, ungestört zu arbeiten. Aber selbst dann hat es früher oft gekracht. Jetzt helfen uns klare Regeln.

  • Ich lege klare Arbeitszeiten fest, kommuniziere sie und halte sie ein: Ich fange auch dann an zu arbeiten, wenn die Spülmaschine noch nicht eingeräumt und der Tisch noch nicht sauber ist.
  • Ich arbeite auch dann weiter, wenn ich von unten Streit und Diskussionen höre.
  • Ich verlasse mich darauf, wenn es einen echten Notfall gibt, holen sie mich. Ansonsten kriegen sie das auch ohne mich geregelt.
  • Mein Mann und ich haben ganz klar geregelt, in welchen Fällen er mich ruft. Dafür weiß er, wenn ich im Coaching bin, nur in Notfällen stören.
  • Er weiß, dass er mir nicht dauernd berichten muss, was sie unternehmen. Ich hätte aber gerne eine Notiz, wenn sie weggehen, mit der Info wohin und wie lange.
  • Wir vereinbaren klare gemeinsame Pausenzeiten. So fällt es mir und meiner Family leichter, die Arbeitszeit konsequent einzuhalten, weil wir wissen, worauf wir uns gemeinsam freuen.
3. Einschalten und Abschalten
  • Auch wenn es nicht immer einfach ist: Wenn ich arbeite blende ich alles andere aus: Kind weint, Spülmaschine piepst, Telefon klingelt, Postbote klingelt auch. Mama arbeitet weiter. Und ich weiß, wenn es wirklich brennt, dann ruft mich mein Mann oder meine Tochter.
  • In diesen konzentrierten Arbeits-Modus mit Scheuklappen zu kommen, musste ich erst üben. Dabei hat mir geholfen, dass ich eben klar kommuniziere: Ich arbeite. Ich will nicht gestört werden. Ich arbeite bis 13:00. Das ist wie ein Mantra für mich selbst. An die Regeln, die ich aufstelle halte ich mich auch selbst.
  • Um in meinem Kopf umzuschalten, von Mama-sein zu Arbeit, hilft es mir, vor der Arbeit alles zu besprechen und abzuklären, was mit der Familie anliegt. Damit der Kopf frei ist. Dann gehe ich ins Büro, bereite meinen Schreibtisch vor, checke meine Mails und meinen Kalender. Ich mache mir für die bevorstehende Arbeitszeit eine ganz klare, realistische Aufgabenliste und starte mit der Aufgabe, die mir am leichtesten fällt. Schon bin ich drin im Arbeiten 😉

HOMEOFFICE MIT KIND

Wenn ich mit den Kindern allein zu Hause bin, kann ich mich natürlich nicht ganz so gut abschotten, wie mit meinem Mann. Hier meine Tipps, was dann hilft:

  • Klare Ansagen: Ich formuliere klar und einfach, was ich jetzt mache und für wie lange.
  • Klare Regeln: Ich kläre, was meine Kinder noch brauchen, und gemeinsam klären wir, wann und wie sie mich stören dürfen.
  • Feste Arbeitszeiten – flexibel einsetzen: Ich lege für den Tag fest, welche Aufgaben ich unbedingt erreichen will und wieviel Zeit ich dafür brauche. Dann lege ich die Arbeitszeit so, dass meine Kinder möglichst gut beschäftigt sind. In dieser Zeit ist dann der absolute Fokus auf Arbeit: Kein Lesen, kein Spielen, kein Haushalt.
  • Klare Aufgaben: Ich habe in meiner Wochenübersicht immer alle anstehenden Aufgaben parat. So kann ich schnell einsteigen in die Arbeit und suche mir die Aufgaben raus, die am wichtigsten UND mit Kind gut zu erledigen sind.

Das wohl Wichtigste aber ist eine Prise Gelassenheit.

Wenn ich arbeite, dann arbeite ich. Und wenn aus 30 Minuten Tablet-Zeit 60 werden, dann ist das eben so. Und wenn aus einem Zwieback 1000 kleine Stücke auf dem Sofa werden, dann ist das eben so. Staubsaugen wird eh überbewertet. Ist aber auch nicht so schlimm. Arbeit, Kinder, Homeoffice und jetzt auch noch Homeschooling zu wuppen ist eh schon eine Leistung. Da darf man ruhig mal über ein paar Krümel und den Geschirr-Haufen hinweg sehen.

Ich blicke wieder aus dem Fenster, mitten ins Grüne. Ich höre meine Kinder im Garten toben und kichern. Und ich freue mich. Ich habe einfach den schönsten Arbeitsplatz, den ich mir vorstellen kann. Und das Allerschönste: Jetzt gibt’s gleich Mittagessen. Mit allen gemeinsam. Und es wird bunt, und laut, und turbulent. Und ich liebe es. Genau das Richtige. Jetzt, nach 3 Stunden konzentrierter Schreibtisch-Arbeit!

Ich wünsche dir viel Freude am Homeoffice,

Deine Melanie

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